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DER HAUPTHELD UND DIE LITERARISCHE STRUKTUR
DES BUCHES EXODUS 1–18
ein Rückblick

Es ist wertvoll, an dieser Stelle der Präsentation wiederholt das oben dargestellte Fragment des Buches Exodus zu betrachten. Es enthält:

Die Überschriften und die Einschnitte sollen dem Leser helfen, sich möglichst schnell mit Hauptfragen des zwischen ihnen stehenden Textes vertraut zu machen. Gleichzeitig:

Bei der Bearbeitung dieser Hilfstexte wurde nicht die Methode des theozentrischen Lesens verwendet, deshalb ist der Held des Buches Exodus aus der Sicht der Überschriften Mose und Israel und nicht Gott…

So sieht die Seite mit Überschriften („DAS BUCH EXODUS”, „DIE BEFREIUNG AUS ÄGYPTEN”, „ISRAEL IN ÄGYPTEN”, „Wohlstand der Hebräer in Ägypten”, „Unterdrückung der Hebräer”) und Einschnitte (am Anfang der Verse: Vers 8 und 15) aus:

DAS BUCH EXODUS

I. DIE BEFREIUNG AUS ÄGYPTEN

1. ISRAEL IN ÄGYPTEN

Wohlstand der Hebräer in Ägypten

1 1 Dies sind die Namen der Israeliten, die nach Ägypten gekommen waren; mit Jakob waren sie gekommen, jeder mit seine Familie: ²  Ruben, Simeon, Levi und Juda, ³  Issachar, Sebulon und Benjamin, 4 Dan, Nephtali, Gad und Aser. 5 Die Gesamtzahl der Nachkommen Jakobs betrug siebzig Personen. Joseph aber war schon in Ägypten. 6 Nach dem Tode Josephs, seiner Brüder und jenes ganzen Geschlechtes 7 waren die Israeliten fruchtbar und vermehrten sich; sie wurden überaus zahlreich und stark, so daß das ganze Land von ihnen angefüllt war.

Unterdrückung der Hebräer

8 Da kam ein neuer König in Ägypten zur Herrschaft, der von Joseph nichts wußte. 9 Dieser sprach zu seinem Volke: „Seht, das Volk der Israeliten wird für uns zu zahlreich und zu stark. 10 Wir wollen klug gegen es vorgehen, damit es nicht noch zahlreicher wird und im Falle eines Kriege zu unsern Feinden übergeht, gegen uns kämpft und aus dem Lande wegzieht.“ 11 Sie setzen darum über es Fronvögte, damit sie es durch ihre Fronarbeiten bedrückten. Es mußte Vorratsstädte für den Pharao bauen, nämlich Pitom und Ramses.

12 Aber je mehr sie es bedrückten, desto zahlreicher wurde es, und desto mehr breitete es sich aus, so daß sie vor den Israeliten ein Grauen erfaßte. 13 Deshalb zwangen die Ägypter der Israeliten zur Arbeit 14 und verbitterten ihnen das Leben durch harte Fron in Lehm und Ziegeln und mit allerlei Feldarbeit, zu denen man sie mit Gewalt heranholte.

15 Darauf befahl der König von Ägypten den Hebammen der Hebräerinnen, von denen eine Schiphra, eine andere Pua hieß, 16 und sprach: „Wenn ihr den Hebräerinnen Geburtshilfe leistet, dann achtet auf die beiden Steine. Ist es ein Knabe, so tötet ihn; ist es ein Mädchen, so mag es am Leben bleiben.“ 17 Doch die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten befohlen hatte, sondern ließen die Knaben am Leben. 18 Da ließ der König die Hebammen kommen und sagte zu ihnen: „Warum tut ihr so und laßt die Knaben am Leben?“ 19 Die Hebammen antworteten dem Pharao: „Die Hebräerinnen sind nicht wie die ägyptischen Frauen; sie sind so lebenskräftig, daß sie schon geboren haben, ehe die Hebammen kommen.“ 20 Und Gott ließ es den Hebammen gut gehen. So vermehre sich das Volk und wurde sehr stark. 21 Weil die Hebammen Gott fürchteten, schenkte er ihnen Nachkommenschaft.

Nach der Betrachtung der einzelnen Überschriften in der deutschen Bibelausgabe kann man feststellen, dass – nach der deutschen zeitgenössischen Redaktion – der Hauptheld Israel ist und sein Führer, Mose.

Stimmt die von Überschriften abgelesene Lösung der Frage nach dem Haupthelden mit der Absicht des hebräischen Hagiographen/Redakteurs der endgültigen Fassung überein? – Das ist die Schlüsselfrage für Analysen, die schon in nächsten Etappen vorliegender Präsentation durchgeführt werden.

Genauso wichtig ist auch die zweite Frage: Ist die von Überschriften und Einschnitten abgelesene literarische Struktur des Buches Exodus dieselbe Struktur, die von jenem Hagiographen/Redakteur gegeben wurde?

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[1] Die Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes. Vollständige deutsche Ausgabe, Herder–Bücherei Sonderausgaben, Fünfte Auflage, Herder Freiburg – Basel – Wien, 1967.
Dieser Ausgabe liegt die deutsche Übersetzung aus Herders Bibelkommentar zugrunde, deren Text in Abstimmung mit der Jerusalemer Bibel (La Sainte Bible, traduite en français sous la direction de L’École Biblique de Jérusalem; Paris 1956) völlig überarbeitet wurde. Eine große Ausgabe mit der Kommentierung der Jerusalemer Bibel unter der deutschen Herausgeberschraft.